Mercedes Benz 1838

Als mein erstes LKW-Modell wuchs dieser Truck Stück für Stück über mehrere Jahre, angefangen vom Baukasten-Modell bis hin zu einem an dutzenden Stellen modifizierten Modell.

Montage des Baukastens

Für mich begann das Hobby, ganz klassisch, mit dem Tamiya-Baukasten unter dem Weihnachtsbaum. Während des Zusammenbaus orientierte ich mich stark an der Bauanleitung. Das gesamte Fahrgestell, der Antrieb und die Karosserie wurden wie angegeben montiert. Als RC-Anlage diente eine 4-Kanal Anlage, der Empfänger wurde an der entsprechenden Stelle in der Kabine angebracht. Als einzige Abweichung montierte ich zusätzlich zum Blinker und zu den Bremsleuchten Schlusslichter. Ich unterteilte dazu die Kammerleuchte mit einem Stück Karton und setzte zurecht geschliffene LEDs ein.

 

Umbau des Kabinen-Innenraums

Inspiriert durch diverse Fachzeitschriften und Bücher kam in mir jedoch schnell der Wunsch nach mehr auf. Vor allem der Innenraum der Kabine sollte einer Schönheitskur unterzogen werden. Ich entfernte sämtliche Verteilerplatinen und lötete alle LEDs direkt mit einer Sub-D-Verbindung an die Tamiya-Platine. Um die Elektronik im hinteren Teil des Fahrerhauses zu verstecken, setzte ich eine zurechtgeschnittene Kunststoffplatte ein, die ich mit einem Stück Stoff überzog.

Auf dem Kabinenboden brachte ich eine SMD-Hupe an, die mit einem 2-Kanal Tast-Memory-Schalter ferngesteuert werden konnte. Den zweiten Kanal dieses Schalters nutze ich für die Scheinwerfer. Über diese Elektronik kam eine Abdeckung, auf die die Sitze geklebt wurden. Einen Diesel-Geräuschgenerator montierte ich an einer der Seitenabdeckungen hinter dem Fahrerhaus.

Für eine Armaturenbrett-Beleuchtung bohrte ich noch einige Löcher durch das Armaturenbrett und klebte LEDs dahinter, die anschließend wieder mit den Aufklebern verdeckt wurden.
Da mein Truck schließlich nicht von Geisterhand gesteuert werden sollte, engagierte ich noch einen Fahrer in Jeans-Anzug, der per Kabelbinder an seinen Arbeitsplatz gefesselt wurde.
Mit demselben Stoff, der auch schon den Sleeper versteckt überzog ich nun noch das gesamte Fahrerhaus von innen, also das Dach und die Türen mit den entsprechenden Ausnehmungen.
Am Rahmen wollte ich den Fahrtregler etwas besser verstecken: Ich klebte ihn kopfüber von unten in den Tank, statt ihn daneben zu montieren. Zusätzlich verkleidete ich den gesamten hinteren Teil mit Riffelblech.

Die Elektrik wird größer

Qualitativ überzeugten mich die Geräuschmodule nicht wirklich, ihr Tönen glich eher dem Knarren einer Gartenpforte. Zudem wollte ich die gesamte Beleuchtung gerne realitätsgetreu Schalten können. Der Hauptscheinwerfer war ja schon fernsteuerbar, die Nebellampen, das Schlusslicht und die Armaturenbrett-Beleuchtung allerdings noch nicht. Beim nächsten Umbau baute ich die Hupe und den Diesel-Sound aus, auch der Lautsprecher landete in der Bastelkiste. Der durch die Hupe freigewordene Platz am Memory-Schalter wurde durch die Zusatzscheinwerfer belegt. Die gelben LEDs der Zusatzscheinwerfer ersetzte ich durch superhelle, weiße LEDs. Die Schlusslichter schaltete ich ab nun zusammen mit den Scheinwerfern, wie es sich gehört.

In die hinteren Kammerleuchten baute ich einen Rückfahrscheinwerfer, gesteuert über einen Tastschalter, parallel zum Fahrtregler geschaltet.

Auch das unter Tamiya-Truckern bekannte Problem des Antriebs ging ich jetzt an: Der Truck sollte ein ganzes Stück langsamer werden. Ich entschloss mich, das 4:1 Zusatzgetriebe von Carson einzubauen und reduzierte so die Geschwindigkeit auf ein Maß, um schön rangieren und Fahren zu können. Um den Hohlkammer-Reifen etwas zusätzliche Festigkeit zu verpassen, schnitt ich aus Moosgummistreifen Einlagen für die Räder zurecht und legte sie ein.
Die Leitungsführung von den Rückleuchten gestaltete ich zudem etwas filigraner, um das dicke Kabelknäuel zu ersetzen.
Zwei 3mm Messingröhrchen und eine Rolle 0,14mm²- Kabel sollte hier Abhilfe schaffen. Die Röhrchen verlegte ich von den Kammerleuchten parallel zum Rahmen bis unter die Kupplung, wo die Kabel unsichtbar austreten konnten.

Einbau einer neuen Fernsteuerung

Nach etlichen zufriedenen Fahrten wuchs in mir der Wunsch, noch etwas mehr per Funk steuern zu können – was nur einen Schluss zuließ. Eine neue Fernsteuerung musste her! Ich entschied mich für eine Robbe FC-16, erstanden während der Intermodellbau 2000. Den Empfänger installierte ich am Rahmen zwischen den beiden Achsen hinter der Seitenabdeckung.

Außerdem trennte ich mich endgültig von der Tamiya-Platine. Die gesamte Elektronik (Memory-Schalter, Blinker-Schalter,…) wanderte nun in den Sleeper, in dem vorher die Tamiya-Platine saß. Hinter dem Führerhaus baute ich einen zweipoligen Schalter ein, um das gesamte Modell mit nur einem Knopfdruck abzuschalten. Um die Beleuchtung zum Trailer zu übertragen, verwendete ich die in der Fahrerhausrückwand eingebaute Tamiya-Buchse, zusätzlich eine Mini-DIN Buchse für weitere Funktionen. Da ich jetzt über genügend Kanäle an meiner Anlage verfügte, baute ich auch gleich noch einen Servo hinter die Kupplung, der die Sattelplatte öffnet und verriegelt.

Den Wendekreis der Zugmaschine verringerte ich immens, indem ich einfach zum Mini-Schleifer griff und ein wenig Material von den entsprechenden Stellen an der Vorderachse abtrug. Auch die Kugelköpfe der Spurstange schliff ich ein wenig ab.
Im Armaturenbrett wollte ich zu der schon vorhanden Hintergrundbeleuchtung Kontroll-Lampen für die Licht-Funktionen haben. Diese realisierte ich ganz einfach durch die Kontroll-LEDs der Module im Sleeper. Über ein Flachbandkabel führte ich die Signale nach vorne und befestigte die LEDs im Armaturenbrett. Auch den seitlichen Blinker oben an den Kotflügeln hauchte ich Leben ein. Passende Kammerleuchten wurden mit LEDs ausgestattet und an den Blinkerschalter geschlossen.

Lichtmodul

Nach einigen Fehlfunktionen und Funkstörungen trennte ich mich von den Schaltern für Blinker und Scheinwerfer. Alle Bauteile und der komplette Anschluss im Fahrerhaus landeten im Müll. Ich baute ein komplettes Lichtmodul ein: Das Super-Lichtset von Robbe. Es schaltet Stand-, Abblend- und Fernlicht, Schlusslicht, Bremslicht, Rückfahrscheinwerfer, Blinker, Warnblitzer und Nebelscheinwerfer.

Das Modul fand im Chassis direkt neben dem Fahrtregler Platz. Hier konnten die rückwärtigen Lampen über die schon vorhandenen 0,14 mm² Kabel angeschlossen werden. Die Kabel von vorne führte ich zusätzlich hier hin. Zudem baute ich zusätzliche Lampen für die neuen Funktionen des Superlichtset ein: Positionslampen in der Sonnenblende und Warnblitzer auf dem Dach. Die Blinker in den Kotflügeln bekamen neue LEDs. Ebenfalls führte ich die wichtigsten Schaltkanäle an die Mini-DIN Buchse, damit ein Auflieger angeschlossen werden kann. Für die Zukunft plante ich jedoch bereits, den Infrarot-Schaltkanal zu nutzen, der im Superlichtset bereits eingebaut ist.

Da das Lichtmodul mit 12 Volt funktioniert, rüstete ich den gesamten Truck auf diese Spannung um. Um meine 7,2 Volt-Packs weiter verwenden zu können, baute ich mir einen 4,8 Volt Block und schaltete beide zusammen. Einen rechts, einen links ins Chassis verteilt das Gewicht und mir standen 12 Volt zur Verfügung.

Es wird Licht - Superlichtset von Robbe (Teil 1)
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 2 2002

Es wird Licht - Superlichtset von Robbe (Teil 2)
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 3 2002

 

Natürlich musste noch ein neuer Motor eingebaut werden, der für eine Fahrspannung von 12 Volt ausgelegt ist. Ich entschied mich für den Elefant von Conrad, der von den technischen Daten her prima in den Truck passte. Dadurch wurde das Getriebe von Carson natürlich überflüssig. Das Schaltservo wanderte übrigens liegend unter das Chassis.

Gezähmte Tamiyas - Vom Renntruck zum Arbeitstier
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 6 2002

 

Schließlich ging es an die Kabine. Von meinem alten Aufbau, bei dem der Fußboden samt Sitzen usw. auf dem Rahmen befestigt ist, trennte ich mich. Aus kupferbeschichteten Epoxyd-Platten schnitt ich eine passende Bodenplatte, die fest im Kabinenboden eingebaut wurde. Zusammen mit einer neuen Trennwand für den Sleeper ließ sich jetzt das Ganze als ein Stück in der Kabine befestigen. Natürlich überzog ich den Boden noch mit Stoff und strich ihn dunkelgrau an. Faltenbälge aus Moosgummi wanderten unter den Sitz.

Schließlich fanden noch ein paar Details in der Kabine Platz, wie etwa eine orangene Warnweste, ein Stadtplan und ein paar Cola-Flaschen. Beleuchtet wurde der Innenraum mit zwei weißen LEDs.

Außen hui - innen auch!
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 1 2002

 

Sitzen, Fahren, Lenken

Als besonderes Extra bezog ich nun zusammen mit einem Kollegen die Fahrersitze mit hauchdünnem Leder in blau und grau. Das Leder wird mit Holzleim aufgetragen und fest an die Konturen des Sitzes gedrückt.

Zudem spendierte ich mir einen neuen Fahrtregler. Der Rookie Truck von Robbe überzeugte mich, vor allem wegen der exponentiellen Steuerung, die Rangieren noch präziser macht. Der Regler wurde einfach anstelle des vorher verwendeten Jamara-Reglers kopfüber in den Tank geklebt und angeschlossen.

Zudem war ein wenig Luxus angesagt: Die Kunststoff-Felgen aus dem Bausatz ersetzte ich durch echte Alu-Felgen von MM-Modellbau. Dabei entfernte ich auch die Moosgummi-Einlegestreifen und spritzte die Reifen von innen mit Silikon aus. Um die Lenkung zu verbessern, mussten die beiden Servos etwas umgebaut werden. Das Schaltservo, seit dem neuen Motor liegend vorne am Rahmen wanderte hinter das Getriebe. Den Kugelkopf für die Schaltung befestigte ich dazu an der anderen Seite der Schubstange, der Servo kam stehend zwischen den Rahmen. Vorne befestigte ich dafür liegend den Lenkservo. Dadurch konnte die umständliche und wackelige Umlenkung der Lenkung entfallen und durch eine direkte Anlenkung ersetzt werden. Zudem korrigierte ich das Tamiya-Lenkungsproblem. Bauartbedingt befand sich bisher die Spurstange vor der Achse. Ich vertauschte die Achsschenkel und bog eine neue Spurstange zurechte, um den Lenkeinschlag zu optimieren. Ergebnis: Die Geradeausfahrt war geradliniger, der Kurvenradius besser.

Da die Steckverbindung der zwei einzelnen Akkupakete häufiger Probleme machte und Wackelkontakte verursachte, war ein neuer Akku angesagt. Aus acht Zellen lötete ich ein komplettes Akkupaket zusammen, das die beiden Einzelpakete ersetzte. es wanderte an die linke Rahmenseite, der Empfänger von dort rutschte etwas weiter mittig zwischen den Rahmen. Für den Anschluss kamen jetzt die grünen MPX-Stecker zum Einsatz, die keine Wackler verursachen.

In dieser Konfiguration drehte ich etliche Runden: Das Modell war mittlerweile wirklich gut, die Kinderkrankheiten überwunden und LKW-Modellbau machte Spaß.

Tamiya-Lenkung - Vier Wege zur besseren Kurve
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 1 2010

Ein bisschen Luxus für den Mercedes
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 4 2003

 

 

Ein letztes Tuning

Um die Fahreigenschaften noch etwas zu verbessern, spendierte ich dem Modell eine sperrbare Differentialachse. Sie stammt vom Erfinder der sperrbaren Tamiya-Achsen „himself“, dem leider viel zu früh verstorbenen Falk Fröhlich. Sein aufwändiges Umbaukonzept ist später in veränderter Form durch andere Hersteller übernommen worden.

Zudem kribbelte es in den Fingern, eine der neunen Servonaut-Anlagen zu testen. Also baute ich den Rookie Truck und das Superlichtset aus und einen Servonaut M20T ein, der Fahrtregler mit Tempomat und intelligente Lichtanlage vereint. Die Funktionen begeisterten mich sofort, so dass ich bei dieser Lichtanlage blieb. Der Servonaut landete hochkant neben dem Akkupack, diesen setzte ich in ein selbstgebautes Akkufach ein.

Raus in den Garten - Einbau einer sperrbaren Hinterachse in eine Tamiya-Zugmaschine
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 3 2005

Ein Fahrtregler. Oder darf es etwas mehr sein?
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Artikel aus TRUCKmodell Heft 3 2005

 

Wie geht es weiter? Fazit

Mein erstes Modell entwickelte sich über etliche Jahre bis zu diesem Zustand. Ich hatte etliches Lehrgeld bezahlt, viel ein- und ausgebaut, gute und schlechte Bauteile in der Hand gehabt. In jedem Fall war und ist es mein erstes LKW-Modell, dass mir den Einsteig in dieses Hobby ermöglicht hat.

Die unzähligen Umbauten haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Der Rahmen ist unzählige Male durchlöchert, einige Teile mehrfach umgebaut etc. Und: Das Fahrerhaus ist nach wie vor ein Mercedes-Benz, der seit Jahren nicht mehr gebaut wird. Anfangs störte mich das nicht, später kam jedoch der Wunsch nach einem zeitgemäßeren LKW auf. So entschied ich mich schließlich, den Mercedes stillzulegen und abzumelden. Die Erfahrungen und Bauteile dieses Modells sollten Basis für ein neues Modell sein: Eine MAN-TGA Sattelzugmaschine. Und zwar diesmal im Selbstbau aus Tamiya-Teilen und von Anfang an richtig.

 

Kommentare zu “Mercedes Benz 1838

  1. Diese Baubeschreibung dokumentiert wirklich sehr schön die Entwicklung und die Weiterentwickllung dieses Hobbies bei mir. Angefangen bei zwarten Umbauversuchen bis hin zu immer aufwändigeren Bastelaktionen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Zugmaschine vermutlich mehr Zeit demontiert in meiner Werkstatt gestanden hat als fahrbereit.
    Heute denke ich, dass das eine super Zeit war, in der ich vor allem viel gelernt habe. Was ich da alles ein- und wieder ausgebaut habe und was ich alles falsch gemacht habe zeigt mir auch, auf welchem Niveau sich der Truckmodellbau heute bewegt. „Damals“, also um die Jahrtausendwende, war das Angebot vor allem im Elektronikbereich noch längst nicht so groß wie heute. Dinge wie der selbstlötbare „Tast-Memory-Schalter“ gehörten zu den wenigen, bezahlbaren Möglichkeiten, elektrische Funktionen zu schalten. Von diesen Soundmodulen garnicht zu sprechen…
    Dennoch war das Modell am Ende seines Lebens garnicht mal so schlecht und hat auf jeden Fall den Weg geebnet, anschließend mit einer gewissen Erfahrung in das nächste Projekt zu starten.

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